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Auf den Spuren des heiligen Norbert und der Prämonstratenser

Vom 30. Mai bis zum 1. Juni 2019 unternahm der Verein für katholische Kirchengeschichte in Hamburg und Schleswig-Holstein e. V. seine alljährliche, in diesem Jahr wieder dreitägige Exkursion, diesmal nach Magdeburg und Umgebung. Für zwei Nächte waren die 25 Teilnehmer im Roncalli-Haus, der Heimvolkshochschule des Bistums Magdeburg, untergebracht.

Unser Ziel war es, mit den Prämonstratenser-Chorherren eine bis heute aktive religiöse Gemeinschaft und ihr Wirken in Vergangenheit und Gegenwart kennenzulernen, deren Aktivitäten im Mittelalter bis in unseren norddeutschen Raum reichten: Bis 1500 betreuten die Prämonstratenser als Domherren das Bistum Ratzeburg und stellten auch die Bischöfe. Ihre Ausgangspunkte bildeten dabei vor allem Magdeburg und Jerichow.

Am ersten Tag erreichten wir gegen Mittag die Stadt und genossen im Ratskeller unser vorbestelltes  Mittagsmahl. Von dort ging es zu Fuß durch den Breiten Weg, am nach der Wende  errichteten Hundertwasserhaus vorbei zu unserem ersten Ziel, dem mächtigen Dom.

Nach der ersten Erwähnung einer Ansiedlung „Magadoburg“ unter Karl dem Großen 805  gründete Kaiser Otto I. 968 das Erzbistum Magdeburg. Aus Ravenna und Rom ließ der Kaiser zur Ausstattung des Chores antike Säulen heranschaffen und den ersten Dom erbauen, der bei einem Großbrand in der Stadt 1207 niederbrannte. Doch bereits 1209 legte der Erzbischof den Grundstein für einen neuen Bau, an dem mehrere Jahrhunderte gebaut wurde.

Nach dem damals aktuellen Stil der Gotik plante man ein dreischiffiges, durch die hohen Fenster lichtdurchflutetes Langhaus mit Querschiff und einen großen Chorumgang. In der heutigen Anordnung wird jeder Besucher von dem großen Taufstein begrüßt, einer riesigen Schale aus Rosenporphyr, einem im Römischen Reich nur den Kaisern vorbehaltenem Material. Von den sonstigen Meisterwerken, die sich im Inneren des mächtigen Kirchenraumes befinden, möchte ich nur auf die Gruppe der klugen und törichten Jungfrauen, Darstellungen aus der alten romanischen Domkirche und geschaffen von der Schule des Bamberger und des Magdeburger Reiters, hinweisen: Die Freude der klugen lacht aus ihren Gesichtern, die törichten sind zu Tode betrübt.

Nun ging es über den Domplatz zum Kloster Unserer Lieben Frauen. Die Kirche dient heute als Konzertsaal, die übrigen Räume als Museum. Doch unser Ziel war die Grablege des heiligen Norbert von Xanten, dessen Fest die Kirche am 6. Juni feiert. Norbert stammte aus einer adligen Familie vom Niederrhein und wurde Domherr im Stift Xanten. Aber gepackt von der kirchlichen Erneuerungsbewegung im 11. Jahrhundert wanderte er zunächst arm durch die Lande, predigte das Evangelium und gründete schließlich in Prémontré im heutigen Nordfrankreich eine Gemeinschaft, aus der die Prämonstratenser hervorgingen. Für ihre Gemeinschaft übernahmen sie als grundlegende Norm die Regel des heiligen Augustinus. Doch bald wurde Norbert zum Erzbischof von Magdeburg gewählt, wo er seine Vorstellungen von der Aufgabe der Kirche in vielen Kämpfen durchsetzte. Krank von einer Romreise zurückgekehrt, starb er am 6. Juni 1134 in Magdeburg. Beigesetzt wurde er in der erweiterten Krypta der Klosterkirche. Nicht für immer ruhten seine Gebeine hier; denn nachdem Magdeburg evangelisch geworden war, wurden seine sterblichen Überreste nach der Eroberung der Stadt durch kaiserliche Truppen im Dreißigjährigen Krieg in das Prämonstratenserkloster Strachov auf der Kleinseite in Prag gebracht, das heute nach der Unterdrückung durch den Kommunismus mit einem recht jungen Konvent wieder auflebt.

Am Abend hörten wir einen launigen Vortrag über St. Norbert und die heutigen Prämonstratenser von Pater Clemens Dölken,  der als Prior die seit vielen Jahren in Magdeburg wieder angesiedelte Kommunität der Prämonstratenser leitet. Von der Kommunität in Duisburg-Hamborn entsandt, widmen sich die vier Patres vor allem der Studentenseelsorge. Zwischen zwei mittelalterlichen Kirchen, der katholischen Universitätskirche St. Petri und der evangelischen Wallonerkirche, setzen sie derzeit das Projekt ihres neuen Klosterbaus mit der Vision der Ökumenischen Höfe um.

Der nächste Tag führte uns elbabwärts zum Kloster Jerichow. Weithin sichtbar ragen die Doppeltürme der Kirche auf einer leichten Erhöhung im Elbtal in den Himmel. 1144 stiftete Graf Hartwig von Stade auf seinem Grund und Boden ein Stift und besetzte es mit Chorherren aus dem Kloster Unserer Lieben Frauen in Magdeburg, also auch mit Prämonstratensern. Sie erbauten eine kreuzförmige, vierjochige Basilika mit drei Apsiden im romanischen Stil, der erste Kirchenbau östlich der Elbe aus Backstein. Im weiten, lichten, ziegelsteinfarben schimmernden Kirchenschiff fällt der Blick auf den hohen Osterleuchter aus Kalkstein vor dem erhöhten Chorraum. Die Krypta unter dem Chor beeindruckt mit ihrem Säulenwald und den mit Ranken und Tieren ausgeschmückten Kapitellen.

1551 musste der letzte Propst vor plündernden Söldnern nach Wittstock fliehen, die vielfach umgebauten Klostergebäude dienten bis in unsere Zeit als Werkstätten für eine kurfürstliche Domäne, später für einen volkseigenen  Betrieb. Heute ist alles durch eine Stiftung, die alle früheren Eigentümer zusammengeführt hat, als Museum vorzüglich restauriert.

Nach dem gemeinsamen Mittagessen im Gasthaus der Stiftung führte uns die Fahrt nach Osten über Genthin nach Ziesar, der spätmittelalterlichen Residenz der Brandenburger Bischöfe. Um 1460 erbaute Bischof Dietrich von Stechow in der Burg eine an die Burgmauer grenzende Kapelle, deren Ausmalung bis heute erhalten ist. Ein eindrucksvoller Vortrag von Dr. Clemens Bergstedt erschloss uns die Bilder und ihre historischen Bezüge von Kaiser Karl IV. in Prag bis zu den Hansestädten im Norden. Heute dient die Kapelle als Gottesdienstraum für die kleine katholische Gemeinde.

Einen ähnlichen Schatz gab es in Schleswig-Holstein in Schwabstedt bei Friedrichstadt. Hier hatten die Schleswiger Bischöfe eine von der Größe her gesehen ganz ähnliche Anlage errichtet, nachdem sie ihre vorherige Residenz in Gottorf an die Schleswiger Herzöge hatten abgegeben müssen. Leider ist diese Residenz an der Treene bis auf wenige Wallanlagen im 18. Jahrhundert geschleift worden.

Ein letztes Glanzlicht dieses Tages war die Kirche von Pretzien südlich von Magdeburg am Rand des Elbtales. Die Prämonstratenser von Leitzkau betreuten im Mittelalter diese im 12. Jahrhundert errichtete Dorfkirche.  In unserer Zeit wurden unter späteren Deckschichten Fresken aus dem 13. Jahrhundert aufgedeckt und sorgfältig restauriert. Man erkennt eine Seelenwägung: der Erzengel Michael hält eine Waage. In der einen Waagschale sitzt die Seele des Verstorbenen, an der anderen hängen die Teufelchen und bemühen sich mit aller Kraft, die Waage aus dem Gleichgewicht zu bringen. Ein Blick auf den übergroßen Christophorus am Ausgang soll die Besucher der Kirche vor den Gefahren unterwegs bewahren. In der Apsis thront der Weltenrichter zwischen den Cherubim und der Gottesmutter Maria und dem hl. Johannes. Die Bildergeschichte um den Patriarchen Jakob ist nur noch bruchstückhaft zu erkennen, ebenso das Gleichnis vom reichen Prasser und dem armen Lazarus.

Am letzten Tag bot uns ein erstes Ziel der Dom von Havelberg. Hoch überragt das Westwerk die Flusslandschaft von Havel und Elbe. 948 gründete Kaiser Otto das Bistum; die Christianisierung der Slawen scheiterte jedoch im  Slawenaufstand 983. Erst 1170 konnte ein neuer Dom geweiht werden, das Stift wurde von Prämonstratensern besetzt. Nach der Reformation bestand es als evangelisches Domherrenstift bis 1819 fort.

Im Dom empfing uns ein Orgelkonzert, während dem man die Einzelheiten des gotischen Kirchenraumes betrachten oder nur den Klängen lauschen konnte. Zehn Joche bilden das gewaltige dreigliedrige Kirchenschiff. Ein Lettner grenzt drei Joche für die Chorherren ab. Neben vielen Heiligenfiguren beeindruckt er mit der Darstellung der Passion. Anklänge an Darstellungen im Veitsdom von Prag bezeugen die Bedeutung der Elbe für die kulturelle Beeinflussung im Mittelalter. Vom  reichhaltigen Schnitzwerk des Chorgestühls fallen besonders am obigen Abschluss die Eselsköpfe mit ihren langen Ohren ins Auge. Vom auf uns deplatziert wirkenden, um 1700 gestifteten heutigen Hochaltar schweigt man lieber. Die südlich angrenzenden Räume des Stiftsgebäudes um den ehemaligen Kreuzgang dienen heute dem Prignitzmuseum und der Verwaltung. Einen Raum benutzt die katholische Kirchengemeinde für ihre Gottesdienste, einen anderen die evangelische als Winterkirche.

Nach dem Mittagessen folgte die letzte Station in dem reichhaltigen Programm: die Wunderblutkirche Sankt Nicolaus von Wilsnack. Im 14. Jahrhundert hatte der Ritter Heinrich von Bülow das Dorf in einer Fehde niedergebrannt, im Schutt der Pfarrkirche fand man blutige Hostien. Die Kunde davon verbreitete sich wie ein Lauffeuer, die damaligen Menschen verstanden dies als ein Wunder: Aus allen Himmelsrichtungen pilgerten Menschen dorthin, vergleichbar mit den Pilgerscharen nach Santiago de Compostella oder nach Rom und ins Heilige Land. Mit den Pilgern kam auch Geld, sodass ab 1383 der zuständige Bischof von Havelberg diese gewaltige Kirche bauen ließ und auch seinen Dom mit dem Lettner neu ausstatten konnte.

Um die Reformation durchzusetzen, verbrannte 1555 der evangelische Pastor die Hostien, doch erhalten blieb in einer Seitenkapelle der Schrein, in dem die Hostien verwahrt wurden. Die Bemalung zeigt die Bluthostien und die Gregorsmesse. Heute kommen wieder Menschen zur Heilung in den Ort, denn nach der Erschließung von Solequellen hat sich Bad Wilsnack zum Kurort entwickelt.

Überall hatten wir fachkundige und engagierte Führer, die uns die Kunstschätze und ihren historischen Hintergrund oft in launiger Weise darzustellen und zu erklären vermochten.

Wer mehr über den Kirchengeschichtsverein erfahren möchte, schaue in unser Internetportal oder wende sich an den Vorsitzenden  (martin_schroeter@gmx.de) oder den Geschäftsführer (familie.flucke@web.de ).

Buchpräsentation der annuae litterae von Glückstadt am 18. November 2017:

Präsentation der litterae annuae

„Heute ist ein Wetter, Bücher zu schreiben oder geschriebene Bücher der Öffentlichkeit vorzustellen“; so empfing uns Prof. Dr. Detlev Kraack strahlend im Eingang des Brockdorff-Palais in Glückstadt. Zum Auftakt der Präsentation der annuae litterae von Glückstadt spielte wenige Minuten später ein Trio des Musik-Geschichte-Profils des Walddörfer-Gymnasiums, Hamburg, die Sonate V aus Georg-Philipp Telemanns Duetten. Herzlich begrüßte uns Herr Christian Boldt, der Leiter des Detlefsen-Museums, des Stadtmuseums Glückstadt, und erinnerte dabei an die Überlieferung der Jesuiten zur Stadtgeschichte. Dann sprach für die Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte Prof. Dr. Detlev Kraack seine Grußworte und würdigte die Edition als den 125. Band der Reihe „Quellen und Forschungen zur Schleswig-Holsteinischen Geschichte“. Der Band der annuae spanne nun wieder einen Bogen zum ersten Band vor 113 Jahren, der sich ebenfalls bereits der Geschichte der holsteinischen Elbmarschen gewidmet habe. Im anschließenden Festvortrag ordnete Prof. Dr. Franklin Kopitzsch von der Universität Hamburg das Wirken des Glückstädter Jesuiten in das Umfeld Holsteins, Stormarns und Hamburgs näher ein. Seine Worte sollen als Beitrag in einem späteren Band der Nordalbingensia sacra erscheinen. Zur Einführung der Lesung aus den annuae dankte Dr. Martin Schröter in einer Überleitung herzlich allen, die an der Entstehung dieser Quellenedition beteiligt waren. Er verdeutlichte die näheren Aufgaben der Jesuiten vor Ort. Sein Dank galt auch Herrn Pater Hans-Theodor Mehring, welcher die Jesuiten vertrat. Herr Christoph Flucke, der Übersetzer der annuae, nahm diesen Faden auf, um dann die literarische Gattung und ihre Feingliederung zu erläutern. Exemplarisch trug er einige Jahresberichte vor. Zum Abschluss rundete das eingangs genannte Trio die Präsentation mit drei Hörproben (Nr. 19 „dance oft he insects“ und Nr. 16 „cantabile“) aus Ernesto Köhlers „25 Romantische Etüden“ (Opus 66) für Flöte Solo sowie der Sonate 5, 1. Satz (Largo) aus Georg Philipp Telemanns 6 Duetten für zwei Querflöten ab.

Schon vorher hatten in der heutigen Sankt-Marien-Kirche Monsignore Wilm Sanders und Pater Hans-Theodor Mehring von den Jesuiten mit uns einen feierlichen Gottesdienst gefeiert. Die Orgel spielte unser Vereinsmitglied, Frau Trinkaus.

Der Vortragssaal des Brockdorff-Palais war bis auf den letzten Platz gefüllt. Zu danken ist auch den Redakteuren der Glückstädter Fortuna für ihren ausführlichen und informativen Artikel zu Sache. Übrigens haben auch die Glückstädter Mitglieder unseres Vereins tatkräftig für das leibliche Wohl im Museum gesorgt, indem sie für Kaffee und andere Getränke sorgten.

Nach einer Stärkung im renommierten Gasthaus Anno 1617, vorwiegend mit Glückstädter Matjes, führte uns nachmittags Frau Christine Scheer, Architektin und Bauforscherin aus Wewelsfleth, durch das große, prachtvolle Haus Am Hafen 15, welches für viele Jahrzehnte die Heimstatt der Jesuiten war. Drei Räume hob sie dabei besonders hervor: Die Belle-Étage des ersten Obergeschosses sei zum Süden, also zur Hafenseite, hin in einen Raum mit einem kleinen Nebengelass ausgeführt gewesen. Vieles spreche dafür, hier den Klassenraum des Progymnasiums der Patres mit einem kleinen Nebenraum als Bibliothek zu vermuten. Unter dem Dach weiter oben habe sich eine kleine, wegen des neben ihr gelegten Kamins warme und trockene Dachkammer befunden, in deren Bereich heute noch die Dachbalken im Stil der Zeit mit Rocaillen verziert sind. Hier dürfte sich das Zimmer der virgo oeconoma, die jeweils aus einem Kreis geistlicher Frauen aus Köln, vermutlich von den Karmelitinnen, kam und den Patres den Haushalt führte, befunden haben.

Zum Abschluss ging die Gruppe an der – heute profanierten und zu einem Wohnhaus umgestalteten – früheren katholischen Kirche Sankt Marien in der Parallelstraße, der Namenlosen Straße, vorbei. Trotz des wechselhaften November-Wetters war es für alle Beteiligten ein gelungener Tag.

Die Edition der annuae litterae von Glückstadt ist beim Vorsitzenden oder im Buchhandel erhältlich.

Exkursion 2017 zur Jahreshauptversammlung des Vereins nach Lübeck:

Bei herrlichem Frühlingswetter reiste eine Gruppe von 40 Personen Ende Mai 2017 nach Lübeck, um das Hansemuseum zu besuchen und anschließend auf den Spuren der Lübecker Märtyrer zu wandeln. Die Gruppe wurde zunächst durch die sehenswerte Dauerausstellung des Hansemuseums geführt. Dort begegneten wir sehr anschaulich und zum Teil sogar anfassbar der Lübecker Hansezeit des ausgehenden Mittelalters. Im oberen Bereich des Museums, in den Bauten des ehemaligen Burgklosters der Dominikaner, konnte wir zunächst die schön gestalteten und hervorragend restaurierten Räume der Mönche bestaunen und dabei mehrere Bauphase unterscheiden. Die verschiedenen Nachnutzungen des Klosters leiteten zur weiteren Thematik des Tages über: Von 1894 bis 1962 diente das Kloster als Gerichtsgebäude, wobei dann ein Flügel Gefängniszellentrakt für das zugehörige Untersuchungsgefängnis („Marstallgefängnis“) war. Daher saßen hier zwei der Vier Lübecker Märtyrer, die Kapläne Johannes Prassek und Hermann Müller, nach ihrer Verhaftung vom Frühjahr 1942 bis Juni 1943 ein. Auch fand die Gerichtsverhandlung des Volksgerichtshofes, geleitet von Dr. Wilhelm Crohne, gegen die vier Geistlichen neben den bereits genannten auch gegen Hermann Lange und gegen den evangelisch-lutherischen Pastor Karl-Friedrich Stellbrink, hier im Hause statt. Bis heute fehlen allerdings Gedenktafeln, die an diese Vorgänge gemahnen könnten.

Nach einem Mittagsmahl im unteren Gewölbe des Heilig-Geist-Hospizes führte uns nachmittags einfühlsam Frau Dr. Bärbel Baum durch die katholische Propstei-Kirche an der Parade und durch die Gedenkstätte für die Vier Märtyrer mit der Krypta. Dort ist heute die Urne von Kaplan Hermann Lange bestattet. Nach der Jahreshauptversammlung in den Räumlichkeiten der Pfarrei rundete Monsignore Wilm Sanders den Tag mit einem festlichen Gottesdienst in der Propsteikirche ab. Die Ansprache hielt Propst Christoph Giering.

Exkursion 2015

Anfang Mai begaben sich die Mitglieder des Vereins für katholische Kirchengeschichte in Hamburg und Schleswig-Holstein auf die Spurensuche des heiligen Ansgars aus Anlass von dessen 1250. Todesjahr nach Haithabu und Schleswig. Dort soll er nämlich eine Kirche für die Händler Haithabus, der größten städtischen Siedlung des frühmittelalterlichen Dänemarks gegründet haben. An ihrem Ort soll die heutige Haddebyer Kirche aus dem 12. Jahrhundert Sankt Andreas stehen, die wir neben der Sankt-Ansgar-Gedenkstätte ebenfalls besucht haben. Doch zunächst erkundeten wir, angeleitet durch anschauliche Führungen, mit dem Museum Haithabu die Lebenswelt der Wikinger, mit wem sie Handel trieben, mit wem sie in archaischer Diplomatie politische Beziehungen unterhielten und welchen Glaubens sie waren. Tatsächlich hatten die Wikinger über See das Christentum schon kennengelernt, ihre Fürsten und Könige die Annahme des neuen Glaubens sogar freigestellt. Traditioneller Polytheismus der germanischen Naturgottheiten und Christentum bestanden nebeneinander.

Nach einem guten Mittagessen im „Odins“, im Haddebyer Krug, fuhren wir mit einer Barkasse über die Schlei nach Schleswig, um dort fachkundig geführt den Dom und das Graue Kloster, das heutige Rathaus, zu besichtigen. Wir folgten damit der Siedlungsverlagerung auf die Nordseite der Schlei; die größer gewordenen Handelsschiffe konnten das Haddebyer Noor nicht mehr befahren. Jedoch auch Schleswig büßte seinen Charakter als Handelsort zugunsten Lübecks ein und wurde nun zunächst Mittelpunkt der Diözese Schleswig, später auch Residenzort der Gottorfer Herzöge. Das Graue Kloster war ursprünglich einer der dänischen Königspaläste des 13. Jahrhunderts, kam dann durch Schenkung 1234 an die Franziskaner und blieb bei ihnen als Kloster Sankt Paul bis zur Reformation 1528/29. Während die Klausurbauten bis in die 1960iger Jahre als Altenstift dienten, wurde die Kirche im 18. Jahrhundert durch einen spätbarocken Rathausbau ersetzt. Er beherbergte im 19. Jahrhundert auch die Ständeversammlungen des Herzogtums Schleswig, erlebte 1848 die Sezessionserklärung von Dänemark, bevor dann das Schleswiger Land tatsächlich 1864 an Österreich und Preußen und 1866 allein an Preußen fiel.

Die Exkursion bot wieder viel Raum für gute Gespräche und viele Begegnungen.

Für den Vorstand,

Dr. Martin J. Schröter.

Pressebericht über die EUCist 9 in Reinfeld, vom 5. bis 7. März 2015

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Abb. 1: Die beiden Cistercienser vor den Resten der Klostermauer in Reinfeld  Abb. 2: Beim Rundgang durch Lübeck mit Herrn Holst

In Reinfeld gaben sich bekannte Geschichtsforscher des Cistercienserordens ein Stelldichein: So waren eigens Pater Alkuin Schachenmayr und Altabt Gregor Henckel-Donnersmarck aus dem Cisterzienserstift Heiligenkreuz in Österreich, wie auch der frühere Landesbischof von Hannover und Abt zu Loccum, Horst Hirschler, angereist. Da traf es sich gut, dass in wenigen Monaten auch das Klosterbuch Schleswig-Holstein erscheinen wird. Die beiden Herausgeber Frau Dr. Katja Hillebrand und Herr Prof. Dr. Oliver Auge von der Christian-Albrechts-Universität Kiel stellten neben der Gesamtkonzeption ausgewählte Kapitel zum Rudekloster (an der Stelle des heutigen Schlosses Glücksburg) und den vormaligen Frauencisterzen in Holstein vor. Ihre Arbeit wurde von Prof. Dr. Peter Johanek vom Institut für vergleichende Städteforschung der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, und Prof. Dr. Werner Rösener aus Gießen, die selbst solche Sammelbände redaktionell betreut haben, lobend hervorgehoben. Die beiden Letztgenannten widmeten sich der Geschichte des mittelalterlichen Ordens in einer Gesamtschau und mit Blick auf die Beziehungen zu den Städten anhand prominenter Beispiele, wie der Cisterzen Ebrach und Walkenried. Eine Reihe weiterer Vorträge spannte den Bogen von dem früheren Benediktinerinnenkloster Preetz, vorgestellt durch Herrn Dr. Johannes Rosenplänter, zur ehemaligen Cisterze Reinfeld, vorgetragen durch Herrn Dr. Martin Schröter, sowie zum heute noch bestehenden evangelischen Kloster der Cisterziensererben Loccum. Herr Simon Sosnitza stellte Loccums Wirtschaft unter dem Aspekt „Stein – Salz – Wasser“ vor. Die gute Stimmung und das große Interesse der Teilnehmer sorgten im Anschluss an die Vorträge für fruchtbare Diskussionen.

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Abb. 3: Die beiden Äbte bei der Vesper in der Kirche von Zarpen.

Doch auch das Erleben und Schauen kamen nicht zu kurz: Am Freitag leiteten die beiden Äbte eine ökumenische Vesper in der Zarpener Kirche; in ihr sang der Projektchor der Walddörfer-Kantorei aus Hamburg-Volksdorf u. a. Flor Peeters Te Deum. Die Orgel spielte der Kantor und Organist von Bad Bramstedt, Herr Ulf Lauenroth. Zum Abschluss der Tagung führte Herr Jens-Christian Holst fachkundig die Teilnehmer zu den vormaligen Klosterhöfen der Hansestadt Lübeck.

Diese Tagung wurde ermöglicht durch eine Zusammenarbeit des Arbeitskreises für Wirtschafts- und Sozialgeschichte Schleswig-Holsteins, der Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte und des Heimatbundes Stormarn. Der Verein für katholische Kirchengeschichte, der die Veranstaltung leitete, lädt herzlich ein zur Jahreshauptversammlung am 21. März 2015, ab 10:00 h, in die Katholische Akademie in Hamburg, Herrengraben 4.

Für den Verein für katholische Kirchengeschichte in Hamburg und Schleswig-Holstein

Dr. Martin J. Schröter, Vorsitzender.

Böge 31, 22359 Hamburg.

Pressebericht zur Publikation der annuae litterae der Jesuiten von Altona und Hamburg

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Vor vollem Hause und bei guter Stimmung wurde am Freitag, den 6. Februar 2015, durch das Vorstandsmitglied der Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte Dr. Ortwin Pelc vom Hamburg-Museum der 123. Band der „Quellen und Studien zur Geschichte Schleswig-Holsteins“ zum 100. Geburtstag dieser Reihe in der Staats- und Universitätsbibliothek Carl von Ossietzky in Hamburg der Öffentlichkeit vorgestellt. Es handelt sich um eine Quellenedition der litterae annuae der Gesellschaft Jesu, also der Jahresberichte der Jesuiten von Altona und Hamburg der Jahre 1598 bis 1781. Die Jesuiten waren seit 1598/1604 und damit seit der dritten Generation nach Einführung der Reformation in Hamburg 1528 dort aktiv. In die hamburgische Geschichte der Frühen Neuzeit und die Lage der katholischen Kirche als eine der religiösen Minderheiten führte der inzwischen emeritierte Professor Dr. Franklin Kopitzsch im Namen des Vereins für hamburgische Geschichte und des Hamburgischen Arbeitskreises für Regionalgeschichte in lebendigem Vortag ein. Erste anekdotenreiche Einblicke in die Texte der litterae annuae gab der Herausgeber und Übersetzer Christoph Flucke vom Verein für katholische Kirchengeschichte. Deutlich wurde dabei ebenfalls, dass die Jesuiten auch das Andenken an den Missionar Ansgar durch die Wahl des Patroziniums für ihre Kirchenräume und durch Gewährung eines Ablasses hochgehalten haben. In ihrem ersten Bericht von 1598 erwähnen sie ihn als den ersten Erzbischof von Hamburg und erwirken 1718 vom Heiligen Stuhl einen Ablass zur Steigerung seiner Verehrung.
Wir freuen uns, dass mit dieser Publikation nun eine der zentralen Quellen für die Geschichte der frühneuzeitlichen katholischen Gemeinden in Altona und Hamburg in bilingualer Form einer breiteren Öffentlichkeit vorliegt und Grundlage für die weitere, auch wissenschaftliche Beschäftigung mit der Thematik sein kann. Wir danken dem Aschendorff-Verlag aus Münster für die gute Zusammenarbeit, namentlich Frau Silke Haunfelder und Herrn Dr. Dirk Paßmann. Ebenso gilt unser Dank für die großzügige Unterstützung der Edition dem Bonifatiuswerk in Paderborn, dem Erzbistum Hamburg und der Hamburgischen Wissenschaftlichen Stiftung, vertreten durch Herrn Dr. Johannes Gerhardt und Herrn Prof. Dr. Loose, sowie den Zustiftern Frau Dr. Margot Laufs und Herrn Dr. Marcello Bisotti. Nicht zuletzt danken wir den Mitarbeitern der Staatsbibliothek für die freundliche Bereitstellung ihres Raums, namentlich Frau Dr. Grau. Wir hoffen auf eine gute Aufnahme und rege Benutzung dieser Quellenedition.

Für den Verein für katholische Kirchengeschichte in Hamburg und Schleswig-Holstein
Dr. Martin J. Schröter.

Verein für kath. Kirchengeschichte – Exkursion nach Hadeln

Die diesjährige Exkursion führte die Mitglieder des Vereins für katholische Kirchengeschichte in Hamburg und Schleswig-Holstein in das Land Hadeln. Diese alte Kulturlandschaft an der Elbmündung ist mit der hamburgischen Geschichte seit dem Mittelalter eng verbunden. Ihre Einwohner versorgten die Hamburger mit landwirtschaftlichen und mit besonderen Gütern, so etwa Schmuck, aus Otterndorf.

Bei sonnigem Wetter besuchten die Mitreisenden zunächst die im Volksmund oft als „Dome“ bezeichneten Kirchen von Lüdingworth und Altenbruch. Bewundernswert sind in beiden Gotteshäusern ihre durch viele Jahrhunderte ergänzten Ausstattungsgegenstände nebst den Orgelwerken aus der späten Gotik und der Renaissance. Die einfühlsame Führung durch Frau Braun brachte Geschichte und Gegenwart des Ortes Lüdingworth den interessierten Zuhörern nahe.

Exkursion Hadeln

Nach dem Mittagessen auf dem Deich bei Altenbruch, der den weiten Blick über die Elbmündung mit ihrem Schiffsverkehr eröffnete, besichtigte die Gruppe den Donjon des Amtshauses Ritzebüttel in Cuxhaven. Er beherbergte für Jahrhunderte bis 1937 den Verwaltungsmittelpunkt des hamburgischen Amtes, mit dem der Senat die Elbmündung kontrollierte. Einem der Amtmannen, dem Schriftsteller Barthold Heinrich Brockes, gilt eine kleine, aber feine Dauer-Ausstellung im Hause. Er hat die barocke Festungsanlage zu einem englischen Garten umgestalten lassen, durch welchen die Gruppe abschließend spazierte. MJS.

Publikation zum Vortrag Nütschau und Termine

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