Aktuelles

Nachlese einer dreitägigen Exkursion nach Südniedersachsen

A-Sigwardskirche-in-Idensen

Den Verein für katholische Kirchengeschichte in Hamburg und Schleswig-Holstein führte diesmal eine dreitägige Exkursion nach Südniedersachsen. Wir wollten mit Loccum eine bedeutende Stätte der Cisterziensererben, mit Corvey die Hinterlassenschaften des Wirkens von St. Ansgar sowie seinen Mitbrüdern und zum Diözesanjubiläum den Hildesheimer Dom und die Michaeliskirche, beide Stätten des Weltkulturerbes, besuchen.
Der Freitag galt zwei bedeutenden Kirchbauzeugen der Romanik. Zunächst haben wir die hochroma-nische Kirche St. Ursula in Idensen, ursprünglich eine Eigenkirche Bischof Sigwards von Hildesheim, eines bedeutenden Parteigängers Herzog Heinrichs des Löwen, besichtigt. Im Inneren hat sich weitgehend ein bedeutender Freskenzyklus aus der Erbauungszeit um 1135 erhalten; er war jahrhundertelang weiß übertüncht. Der Norddeutsche ist über das fast vollständig erhaltene Bildraumprogramm überrascht.

B-Loccum

Anschließend galt uns in der Evangelischen Akademie Loccum ein herzliches Willkommen. Am Nachmittag führte uns Abt Hirschler, der frühere Landesbischof der hannoverschen Landeskirche, durch sein Kloster Loccum. Die – sehr schön renovierte – Kirche wird heute in die erste Hälfte des 13. Jahrhunderts und damit deutlich früher als in der Vergangenheit datiert. Als Stifter darf vor allem auch der vormalige Bremer Erzbischof Waldemar, ein dänischer Prinz, gelten, der nach einigen Eskapaden während seiner Amtszeit in Loccum als einfacher Mönch sein Klosterasyl fand. Nach einem Spaziergang zur Lucca-Burg der Klosterstifter, der Grafen von Hallermund, nahmen wir an der seit 1164 bis heute gepflegten Hora Vesperis in der Klosterkirche teil. Den Abend verbrachten wir in der benachbarten Akademie mit ernsten und heiteren Gesprächen.

C-Corvey
Am Sonnabend fuhren wir auf den Spuren des heiligen Ansgar zu Schloss und Stiftskirche Corvey bei Höxter. Noch aus spätkarolingischer Zeit, mithin aus der Generation nach St. Ansgar, sind das Westwerk und die Johanniskapelle im Obergeschoss dieses Bauteils erhalten. Die Kirche selbst wurde nach dem Dreißigjährigen Krieg unter dem Administrator Christoph-Bernhard von Galen, u.a. Fürstbischof zu Münster, als barocker Kirchenbau z. T. in nachgotischen Formen neu errichtet. Zwei kompetente Führungen brachten uns Kirche und weitläufige Barockanlage nahe. Nach einem zünftigen Mittagsmahl im Alten Krug Ruensiek galt das Nachmittagsprogramm dem Kloster Möllenbeck bei Rinteln.

D-Moellenbeck

Noch in der Karolingerzeit als Kanonissenstift gegründet, wurde es im 15. Jahrhundert als Zeichen der Reform mit Augustinerchorherren neu besetzt. Aus diesem Anlass wurde auch eine spätgotische Klosteranlage neu errichtet, welche die Reformen gleichsam Stein werden ließ. In jüngster Zeit sind in ihr auch bedeutende Räume der Weserrenaissance restauriert worden. Aus ottonischer Zeit hat sich in Teilen das Westwerk mit zwei typischen Rundbogentürmen erhalten. Die Anlage gehört heute zur evangelisch-reformierten Kirche Rintelns; der rührige Pastor Trompeter hat in der Klosteranlage eine in breiten kirchlichen Kreisen beliebte Selbstversorger-Jugendherberge eingerichtet.

E-Dom-zu-Hildesheim
Am Sonntag nahmen wir am Hochamt im Hohen Dom zu Hildesheim teil. Zu einer Predigt zu St. Trinitatis mit einprägsamer Wassermetaphorik spielte stimmig ein Blasorchester Händels Wassermusik. Kulinarisch auf der „Insel“ in der Innersten gestärkt, führte uns zur Mittagsstunde Herr Meyer-Roscher, früher Pastor der evangelischen Andreasgemeinde und später Landessuperintendent für den Sprengel Hildesheim, durch die Michaeliskirche, ein bedeutendes Bauwerk St. Bernwardischer Romanik. Während die eigentliche Kirche seit der Reformation evangelische Gemeindekirche ist, blieb zunächst den Mönchen, dann der katholischen St. Magdalenen-Gemeinde die Westkrypta als Gottesdienstraum erhalten. Die Öffnung der Durchgänge erfolgte erst wieder vor wenigen Jahren; seitdem unterhalten beide Gemeinden eine gemeinsame Sakristei. Am Nachmittag wurden wir schließlich durch den Dom geführt. Wir konnten nicht nur das sehr schön restaurierte Kirchengebäude, sondern auch dessen bekannte Ausstattungsstücke, die Säule und die Türen des heiligen Bernward, mit ihrem christologischen Programm für uns entdecken. St. Bernward (* um 950, †1022) darf wohl als Hildesheims bedeutendster Bischof gelten. Die Fahrt endete am frühen Abend und bot viele Räume und Zeiten für intensiven Austausch in guter Atmosphäre. Allen Beteiligten gilt dafür unser Dank.

Exkursion 2015

EXKURION15

Anfang Mai begaben sich die Mitglieder des Vereins für katholische Kirchengeschichte in Hamburg und Schleswig-Holstein auf die Spurensuche des heiligen Ansgars aus Anlass von dessen 1250. Todesjahr nach Haithabu und Schleswig. Dort soll er nämlich eine Kirche für die Händler Haithabus, der größten städtischen Siedlung des frühmittelalterlichen Dänemarks gegründet haben. An ihrem Ort soll die heutige Haddebyer Kirche aus dem 12. Jahrhundert Sankt Andreas stehen, die wir neben der Sankt-Ansgar-Gedenkstätte ebenfalls besucht haben. Doch zunächst erkundeten wir, angeleitet durch anschauliche Führungen, mit dem Museum Haithabu die Lebenswelt der Wikinger, mit wem sie Handel trieben, mit wem sie in archaischer Diplomatie politische Beziehungen unterhielten und welchen Glaubens sie waren. Tatsächlich hatten die Wikinger über See das Christentum schon kennengelernt, ihre Fürsten und Könige die Annahme des neuen Glaubens sogar freigestellt. Traditioneller Polytheismus der germanischen Naturgottheiten und Christentum bestanden nebeneinander.

Nach einem guten Mittagessen im „Odins“, im Haddebyer Krug, fuhren wir mit einer Barkasse über die Schlei nach Schleswig, um dort fachkundig geführt den Dom und das Graue Kloster, das heutige Rathaus, zu besichtigen. Wir folgten damit der Siedlungsverlagerung auf die Nordseite der Schlei; die größer gewordenen Handelsschiffe konnten das Haddebyer Noor nicht mehr befahren. Jedoch auch Schleswig büßte seinen Charakter als Handelsort zugunsten Lübecks ein und wurde nun zunächst Mittelpunkt der Diözese Schleswig, später auch Residenzort der Gottorfer Herzöge. Das Graue Kloster war ursprünglich einer der dänischen Königspaläste des 13. Jahrhunderts, kam dann durch Schenkung 1234 an die Franziskaner und blieb bei ihnen als Kloster Sankt Paul bis zur Reformation 1528/29. Während die Klausurbauten bis in die 1960iger Jahre als Altenstift dienten, wurde die Kirche im 18. Jahrhundert durch einen spätbarocken Rathausbau ersetzt. Er beherbergte im 19. Jahrhundert auch die Ständeversammlungen des Herzogtums Schleswig, erlebte 1848 die Sezessionserklärung von Dänemark, bevor dann das Schleswiger Land tatsächlich 1864 an Österreich und Preußen und 1866 allein an Preußen fiel.

Die Exkursion bot wieder viel Raum für gute Gespräche und viele Begegnungen.

Für den Vorstand,

Dr. Martin J. Schröter.

 

Pressebericht über die EUCist 9 in Reinfeld, vom 5. bis 7. März 2015

 Cistercienser rundgang
Abb. 1: Die beiden Cistercienser vor den Resten der Klostermauer in Reinfeld  Abb. 2: Beim Rundgang durch Lübeck mit Herrn Holst

In Reinfeld gaben sich bekannte Geschichtsforscher des Cistercienserordens ein Stelldichein: So waren eigens Pater Alkuin Schachenmayr und Altabt Gregor Henckel-Donnersmarck aus dem Cisterzienserstift Heiligenkreuz in Österreich, wie auch der frühere Landesbischof von Hannover und Abt zu Loccum, Horst Hirschler, angereist. Da traf es sich gut, dass in wenigen Monaten auch das Klosterbuch Schleswig-Holstein erscheinen wird. Die beiden Herausgeber Frau Dr. Katja Hillebrand und Herr Prof. Dr. Oliver Auge von der Christian-Albrechts-Universität Kiel stellten neben der Gesamtkonzeption ausgewählte Kapitel zum Rudekloster (an der Stelle des heutigen Schlosses Glücksburg) und den vormaligen Frauencisterzen in Holstein vor. Ihre Arbeit wurde von Prof. Dr. Peter Johanek vom Institut für vergleichende Städteforschung der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, und Prof. Dr. Werner Rösener aus Gießen, die selbst solche Sammelbände redaktionell betreut haben, lobend hervorgehoben. Die beiden Letztgenannten widmeten sich der Geschichte des mittelalterlichen Ordens in einer Gesamtschau und mit Blick auf die Beziehungen zu den Städten anhand prominenter Beispiele, wie der Cisterzen Ebrach und Walkenried. Eine Reihe weiterer Vorträge spannte den Bogen von dem früheren Benediktinerinnenkloster Preetz, vorgestellt durch Herrn Dr. Johannes Rosenplänter, zur ehemaligen Cisterze Reinfeld, vorgetragen durch Herrn Dr. Martin Schröter, sowie zum heute noch bestehenden evangelischen Kloster der Cisterziensererben Loccum. Herr Simon Sosnitza stellte Loccums Wirtschaft unter dem Aspekt „Stein – Salz – Wasser“ vor. Die gute Stimmung und das große Interesse der Teilnehmer sorgten im Anschluss an die Vorträge für fruchtbare Diskussionen.

zarpen
Abb. 3: Die beiden Äbte bei der Vesper in der Kirche von Zarpen.

Doch auch das Erleben und Schauen kamen nicht zu kurz: Am Freitag leiteten die beiden Äbte eine ökumenische Vesper in der Zarpener Kirche; in ihr sang der Projektchor der Walddörfer-Kantorei aus Hamburg-Volksdorf u. a. Flor Peeters Te Deum. Die Orgel spielte der Kantor und Organist von Bad Bramstedt, Herr Ulf Lauenroth. Zum Abschluss der Tagung führte Herr Jens-Christian Holst fachkundig die Teilnehmer zu den vormaligen Klosterhöfen der Hansestadt Lübeck.

Diese Tagung wurde ermöglicht durch eine Zusammenarbeit des Arbeitskreises für Wirtschafts- und Sozialgeschichte Schleswig-Holsteins, der Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte und des Heimatbundes Stormarn. Der Verein für katholische Kirchengeschichte, der die Veranstaltung leitete, lädt herzlich ein zur Jahreshauptversammlung am 21. März 2015, ab 10:00 h, in die Katholische Akademie in Hamburg, Herrengraben 4.

Für den Verein für katholische Kirchengeschichte in Hamburg und Schleswig-Holstein

Dr. Martin J. Schröter, Vorsitzender.

Böge 31, 22359 Hamburg.

 

Pressebericht zur Publikation der annuae litterae der Jesuiten von Altona und Hamburg

Stabi060215_10A Stabi060215_09A Stabi060215_08A Stab060215_12A

Vor vollem Hause und bei guter Stimmung wurde am Freitag, den 6. Februar 2015, durch das Vorstandsmitglied der Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte Dr. Ortwin Pelc vom Hamburg-Museum der 123. Band der „Quellen und Studien zur Geschichte Schleswig-Holsteins“ zum 100. Geburtstag dieser Reihe in der Staats- und Universitätsbibliothek Carl von Ossietzky in Hamburg der Öffentlichkeit vorgestellt. Es handelt sich um eine Quellenedition der litterae annuae der Gesellschaft Jesu, also der Jahresberichte der Jesuiten von Altona und Hamburg der Jahre 1598 bis 1781. Die Jesuiten waren seit 1598/1604 und damit seit der dritten Generation nach Einführung der Reformation in Hamburg 1528 dort aktiv. In die hamburgische Geschichte der Frühen Neuzeit und die Lage der katholischen Kirche als eine der religiösen Minderheiten führte der inzwischen emeritierte Professor Dr. Franklin Kopitzsch im Namen des Vereins für hamburgische Geschichte und des Hamburgischen Arbeitskreises für Regionalgeschichte in lebendigem Vortag ein. Erste anekdotenreiche Einblicke in die Texte der litterae annuae gab der Herausgeber und Übersetzer Christoph Flucke vom Verein für katholische Kirchengeschichte. Deutlich wurde dabei ebenfalls, dass die Jesuiten auch das Andenken an den Missionar Ansgar durch die Wahl des Patroziniums für ihre Kirchenräume und durch Gewährung eines Ablasses hochgehalten haben. In ihrem ersten Bericht von 1598 erwähnen sie ihn als den ersten Erzbischof von Hamburg und erwirken 1718 vom Heiligen Stuhl einen Ablass zur Steigerung seiner Verehrung.
Wir freuen uns, dass mit dieser Publikation nun eine der zentralen Quellen für die Geschichte der frühneuzeitlichen katholischen Gemeinden in Altona und Hamburg in bilingualer Form einer breiteren Öffentlichkeit vorliegt und Grundlage für die weitere, auch wissenschaftliche Beschäftigung mit der Thematik sein kann. Wir danken dem Aschendorff-Verlag aus Münster für die gute Zusammenarbeit, namentlich Frau Silke Haunfelder und Herrn Dr. Dirk Paßmann. Ebenso gilt unser Dank für die großzügige Unterstützung der Edition dem Bonifatiuswerk in Paderborn, dem Erzbistum Hamburg und der Hamburgischen Wissenschaftlichen Stiftung, vertreten durch Herrn Dr. Johannes Gerhardt und Herrn Prof. Dr. Loose, sowie den Zustiftern Frau Dr. Margot Laufs und Herrn Dr. Marcello Bisotti. Nicht zuletzt danken wir den Mitarbeitern der Staatsbibliothek für die freundliche Bereitstellung ihres Raums, namentlich Frau Dr. Grau. Wir hoffen auf eine gute Aufnahme und rege Benutzung dieser Quellenedition.

Für den Verein für katholische Kirchengeschichte in Hamburg und Schleswig-Holstein
Dr. Martin J. Schröter.

 

Verein für kath. Kirchengeschichte – Exkursion nach Hadeln

Die diesjährige Exkursion führte die Mitglieder des Vereins für katholische Kirchengeschichte in Hamburg und Schleswig-Holstein in das Land Hadeln. Diese alte Kulturlandschaft an der Elbmündung ist mit der hamburgischen Geschichte seit dem Mittelalter eng verbunden. Ihre Einwohner versorgten die Hamburger mit landwirtschaftlichen und mit besonderen Gütern, so etwa Schmuck, aus Otterndorf.

Bei sonnigem Wetter besuchten die Mitreisenden zunächst die im Volksmund oft als „Dome“ bezeichneten Kirchen von Lüdingworth und Altenbruch. Bewundernswert sind in beiden Gotteshäusern ihre durch viele Jahrhunderte ergänzten Ausstattungsgegenstände nebst den Orgelwerken aus der späten Gotik und der Renaissance. Die einfühlsame Führung durch Frau Braun brachte Geschichte und Gegenwart des Ortes Lüdingworth den interessierten Zuhörern nahe.

Exkursion Hadeln

Nach dem Mittagessen auf dem Deich bei Altenbruch, der den weiten Blick über die Elbmündung mit ihrem Schiffsverkehr eröffnete, besichtigte die Gruppe den Donjon des Amtshauses Ritzebüttel in Cuxhaven. Er beherbergte für Jahrhunderte bis 1937 den Verwaltungsmittelpunkt des hamburgischen Amtes, mit dem der Senat die Elbmündung kontrollierte. Einem der Amtmannen, dem Schriftsteller Barthold Heinrich Brockes, gilt eine kleine, aber feine Dauer-Ausstellung im Hause. Er hat die barocke Festungsanlage zu einem englischen Garten umgestalten lassen, durch welchen die Gruppe abschließend spazierte. MJS.

Publikation zum Vortrag Nütschau und Termine

 

© 2014–2017 Verein für katholische Kirchengeschichte in Hamburg und Schleswig-Holstein e.V.